Die neun jungen Frauen und die Schwester
Es waren einmal neun Brüder und ihre neun jungen Frauen, und dazu eine Schwester. Die Brüder ritten fort in den Krieg, und die Schwester blieb allein bei den jungen Frauen zurück. Einmal gingen sie Beeren suchen. Sie suchten und suchten, doch die Schwester hatte als erste ihr Krüglein voll gesammelt. Die jungen Frauen ärgerten sich darüber. "Was sollen wir mit ihr machen?" - "Wir werden sie dafür verwünschen! Wir wollen sie in einen hohlen Baum stellen und sie dann verwünschen." So machten sie es dann auch. Drei junge Frauen fassen sich bei den Händen, schreiten im Kreise um den Eichbaum und verwünschen sie:
Und die Eiche wuchs und umschloss die liebe Schwester bis zu den Knien. Wieder fassen sich drei junge Frauen bei den Händen und singen:
Und die Eiche wuchs und umschloss sie bis zum Gürtel. Wieder fassen sich drei junge Frauen bei den Händen sie schreiten herum und singen:
Schon ist die Schwester nicht mehr zu sehen. Doch da kommen ihre Brüder an den Ort geritten. Sie reiten, dass der Wald erdröhnt und erbebt. Und das Schwesterchen fühlt es, und sie weint in der Eiche:
Das vernahmen die Brüder: "Das ist die ferne Stimme unserer lieben Schwester!" Und sie antworten:
Da antwortet die gute Schwester:
Die Brüder ritten heim. Sie kamen an und sagten: "Wo ist unsere Schwester?" - "Sie ist fort." - "Wo ist sie denn?" - "Sie ist fort - wir haben sie verwünscht." - "Geht hin und bringt sie heim, denn sonst werdet auch ihr verschwinden!" Und sie tat ihnen von Herzen leid.
"Lieber Eichbaum, voll von Eicheln,
Hundertästig, grün von Blättern,
Schließe ein, schließe ein die Schwägerin."
"Lieber Eichbaum, voll von Eicheln,
Hundertästig, grün von Blättern,
Schließe ein, schließe ein die Schwägerin."
"Lieber Eichbaum, voll von Eicheln,
Hundertästig, grün von Blättern,
Schließe ein, schließe ein die Schwägerin."
"Dumpf rauscht das Schilf nun,
Brausen die Kiefern -
Meine Brüder traut sind fern, sind fern,
Meine Herzlieben sind fern, sind fern."
"Wein' nicht, Schwester lieb,
Unsere junge,
Wir bringen dir ein Sieb zum Sieben,
Einen Goldring dir zum Schmuck."
"Mit eurem Sieb kann ich nicht sieben,
Den goldnen Ring kann ich nicht tragen."
Den jungen Frauen blieb nichts anderes übrig. Sie gingen hin und fingen an zu bitten, dass der Eichbaum sich wieder öffnen möchte. Wieder schreiten sie so zu dreien und singen:
Und er wuchs zurück - und schon ist auch der Kopf der guten Schwester zu sehen. Wieder nehmen sich drei bei den Händen - sie schreiten um den Eichbaum und singen:
Schon war er bis zum Gürtel zurück gewachsen. Und wieder schreiten drei, bei den Händen gefasst, im
"Lieber Eichbaum, voll von Eicheln,
Hundertästig, grün von Blättern,
Gib doch frei, gib doch frei unsre Schwägerin."
"Lieber Eichbaum, voll von Eicheln,
Hundertästig, grün von Blättern,
Gib doch frei, gib doch frei unsre Schwägerin."
Kreise herum und singen:
Da wuchs er ganz zurück. Und die jungen Frauen führten die gute Schwester nach Hause. Die Brüder gehen ihr entgegen und empfangen sie. Sie schenken ihr einen goldenen Ring und ein Sieb.
"Lieber Eichbaum, voll von Eicheln,
Hundertästig, grün von Blättern,
Gib doch frei, gib doch frei unsre Schwägerin."