[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Wie die Schildkröte Nsambes Tochter rettete

Vier Mädchen, alles Töchter von Nsambe, gingen einmal zum Fischen und fingen auch reichlich Fische in einem Flüsschen. Als sie genug hatten, begaben sie sich an einen Platz mit großen Steinen, um die Fische abzuschuppen. Nach getaner Arbeit ruhten sie sich auf den Körben aus. Nur eine sagte: »Ach, meine Mutter hat nur diesen einen Korb. Wenn ich darauf sitze, könnte er Schaden nehmen.« So setzte sie sich auf die bloßen Steine. Als die Mädchen nun nach Hause gehen wollten, blieb jenes, das sich auf die Steine gesetzt hatte, daran kleben, und die anderen Mädchen mussten allein nach Hause gehen. Dort erzählten sie der Mutter des Mädchens, was geschehen war. Da wurde die Mutter sehr traurig und lief in den Wald, um ihrer Tochter Essen zu bringen. Unterwegs sang sie, damit ihre Tochter sie kommen höre. So ging es eine ganze Zeit, die Mutter lief immer in den Wald, um Essen zu bringen, und unterwegs sang sie. Das hörte einmal der böse Edschibongo. Er sang nun genauso, wie die Mutter immer sang, aber mit so tiefer Stimme, dass sich die Tochter gleich sagte: »Das ist nicht meine Mutter!« und nicht darauf antwortete. Da ging Edschibongo ins Dorf zu Odschigesöle, dem Zauberer, und sprach zu ihm: »Da ist ein schönes Mädchen, aber ich kann es nicht dazu bewegen, mir Antwort zu geben, dabei singe ich ebenso wie ihre Mutter.« Da gab ihm der Zauberer eine Medizin und sprach: »Ja, du musst ein kleines Messer nehmen, wie die Mutter, und dann ganz hell singen.« Das tat Edschibongo, als er in den Wald zurückkam. Er sang ganz hell, und das Mädchen antwortete gleich. Da ging er sofort zu ihr und fragte: »Ich habe dich doch schon vorher immer gerufen, und du hast nicht geantwortet. Was ist der Grund dafür?« Aber das Mädchen antwortete ihm nicht. Edschibongo nahm nun die Medizin, verteilte sie auf dem Stein, und das Mädchen kam frei und stand auf. Er aber packte sie, steckte sie in seine große Umhängetasche, die er stets bei sich trug, und machte sich auf den Weg in sein Dorf. Unterwegs im Wald traf er zuerst die Zwergantilope, die fragte ihn: »Was hast du denn in deiner Tasche?« Edschibongo antwortete: »Ach nichts, bloß Baumpilze.« Da rief das Mädchen aus der Tasche: »Das ist nicht wahr, ich bin die Tochter von Nsambe!« Edschibongo ging weiter und traf den Schwarzrückenducker. Auch er erkundigte sich: »Was hast du denn in deiner großen Tasche?«

»Ach nichts, bloß Baumpilze.« Das Mädchen in der Tasche rief aber: »Das ist nicht wahr, ich bin die Tochter von Nsambe!« So wurde Edschibongo von allen Tieren, die er traf, gefragt. Zuletzt traf er die Schildkröte. Die fragte ihn auch: »Was hast du denn in deiner großen Tasche?« Edschibongo antwortete wieder: »Ach nichts, bloß Baumpilze.« Das Mädchen aber rief: »Das ist nicht wahr, ich bin die Tochter von Nsambe!« Da sagte die Schildkröte: »Mein Freund, möchtest du nicht erst etwas essen? Ich werde dir Planten kochen.« Dem Edschibongo war das recht. Die Schildkröte ging ins Haus, kochte Planten und tat alles Schlechte in das Essen, Zaubermedizin und Gift, und brachte es dann Edschibongo. Der aß, aber nach kurzer Zeit bekam er schreckliche Leibschmerzen und sagte zur Schildkröte: »Ich fühle mich gar nicht wohl, wo kann ich denn austreten gehen?« Nun sprach die Schildkröte: »Ja, hier in der Nähe nicht, ich lasse ja nur Wasser, du musst dich schon in die Lüfte erheben, wenn du mehr loswerden willst.« Da stellte Edschibongo die Tasche ins Versammlungshaus der Schildkröte und erhob sich in die Lüfte, um sich zu erleichtern. Die Schildkröte aber holte schnell das Mädchen heraus, versteckte es in ihrem Haus, setzte dafür einen weißen Hahn in die Tasche und belehrte diesen: »Wenn Edschibongo von den Tieren gefragt wird: ›Was hast du denn in deiner Tasche?‹ und er erwidert: ›Bloß Baumpilze‹, so musst du sagen: ›Das ist nicht wahr, ich bin die Tochter von Nsambe!‹« Das versprach der Hahn, und die Schildkröte fragte zur Probe gleich: »Was hast du denn in deiner großen Tasche?« und antwortete selber weiter: »Ach nichts, bloß Baumpilze.« Der Hahn antwortete darauf sofort: »Das ist nicht wahr, ich bin die Tochter von Nsambe!« Da meinte die Schildkröte: »Schon gut, ich sehe, du bist sehr verständig.«

Als Edschibongo zurückkam, hängte er die Tasche um und verabschiedete sich von der Schildkröte. Im Weitergehen sprach er, um zu sehen, ob das Mädchen noch in der Tasche sei - er war sehr misstrauisch - mit verstellter Stimme: »Was ist denn in der großen Tasche?« und antwortete selbst wieder: »Ach nichts, Baumpilze.« Da rief der Hahn gleich: »Das ist nicht wahr, ich bin die Tochter von Nsambe!« Edschibongo glaubte nun fest, dass er das Mädchen in der Tasche hätte, und ging weiter, bis er in sein Dorf kam. Dort rief er alle anderen Edschibongo, von denen es so viele, viele gibt, und verkündete: »Kommt alle, ich habe ein feines Essen!« Da kamen sie alle, Edschibongo öffnete die Tasche - wopp, flog der weiße Hahn heraus und weg, zurück zur Schildkröte. Weiter war nichts in der Tasche. »Wo ist denn nun das Essen, das du uns versprochen hast?« fragten die Edschibongo den mit der Tasche. Der antwortete: »Ich habe nichts gesehen als den weißen Hahn, der weggeflogen ist, und dabei hatte ich doch ein schönes Mädchen drin.« Da wurden die anderen Edschibongo wütend. »Du lügst!« sagten sie, fingen ihn, töteten ihn und fraßen ihn auf.