[arabisch, "Geschichte, Legende"]

Vom zauberkundigen Zwilling

Nsambe hatte alle seine Frauen wissen lassen, dass er keine Zwillinge haben wolle. Nun gab er aber einer von ihnen eine Medizin, so dass sie Zwillinge bekommen musste. Und tatsächlich gebar die Frau auch Zwillinge, aber weil sie sich vor ihrem Mann fürchtete, versteckte sie ein Kind, den Jungen, in einem Topf und deckte ein Bananenblatt darüber. Den Topf stellte sie in ihr Haus. Das andere Kind, ein Mädchen, behielt sie an ihrer Brust.

Als Nsambe dann kam, fragte er die Frau, ob sie Zwillinge geboren habe. Aber sie leugnete es. Da rief er am anderen Tag alle Frauen in sein Versammlungshaus und wollte wissen, ob jene Frau nicht doch Zwillinge geboren habe. Die anderen verrieten die Frau aber nicht, sondern sagten, sie wüssten es nicht. Doch damit gab sich Nsambe noch nicht zufrieden. Er fragte weiter im Dorf herum und erfuhr endlich auch von einem Mann, der es von anderen gehört hatte, dass die Frau tatsächlich zwei Kinder bekommen hatte. Nun ging Nsambe zu der Frau und sagte: »Wie ich höre, hast du doch Zwillinge geboren?« Die aber leugnete immer noch: »Nein, es war nur das eine Kind.« Da ging Nsambe in ihr Haus und suchte dort nach dem anderen Zwilling. Er ließ kein Körbchen unbesehen und fand schließlich den Jungen im Topf. Er nahm ihn, ging mit ihm an den großen Fluss, der ein Stück vom Dorf entfernt floss, und warf das Kind hinein. Dann kehrte er ins Dorf zurück.

Nun lebte in einem anderen Dorf in der Nähe eine Frau, die zu ihrem Kummer keine Kinder bekam. Die war zufällig am Fluss, und als sie an die Stelle kam, wo Nsambe den Jungen in den Fluss geworfen hatte, sah sie das Kind, das im Schilf und Lianengewirr hängen geblieben war, und fischte es mit dem Netz heraus. Die Frau war überglücklich. Sie lief mit ihrem Fund nach Hause zu ihrem Mann und sagte: »Sieh, jetzt bin auch ich endlich Mutter geworden. Dieses Kind habe ich im Fluss gefunden. Es gehört also mir!« Da freute sich der Mann ebenfalls sehr. Er gab dem Jungen den Namen Bebange be Mema und ließ ihn im Dorf aufwachsen, so dass er sein Erbe würde.

Als der Junge herangewachsen war, stellte er in dem Wald der zwischen dem Dorf von Nsambe und dem seiner Pflegeeltern lag, Fallen auf. Von Zeit zu Zeit sah er nach ihnen. Dabei begegnete er eines Tages einigen Mädchen aus dem anderen Dorf, die zum Fischen gegangen waren. Da nahm er eine Rohrratte von seinem Fang und reichte sie einem der Mädchen, diese wiederum gab ihm von den Fischen, die sie gefangen hatte. Am anderen Tag, als er noch einmal nach den Schlagfallen sah, hatte er vier Tiere gefangen, einen Quastenstachler, ein Moschustier, eine Hamsterratte und eine Rohrratte, und als die Mädchen kamen, gab er jeder ein Tier, seiner Zwillingsschwester aber - denn sie war es - das Moschustier. Die Mädchen reichten ihm jede nur einen Fisch. Darauf kehrten sie in ihr Dorf zurück und berichteten Nsambe das Erlebnis. Die Zwillingsschwester erzählte: »Wir begegneten einem sehr schönen Mann. Aber er sagte zu keiner von uns: ›Dich will ich haben‹, sondern gab uns bloß die Tiere.«

Da suchte der Vater einen weisen Mann mit Namen Odschimesso auf und befragte ihn deswegen. Odschimesso teilte ihm mit, dass jener junge Mann sein Sohn wäre, und dass er zu dessen Stiefvater Mamambe gehen solle. Am nächsten Morgen suchte Nsambe den Mamambe auf und verlangte den Sohn von ihm zurück. Mamambe hörte ihn an und bestimmte: »Wenn du den Sohn zurückhaben willst, musst du mir acht Schafe zahlen.« Das tat Nsambe auch und kehrte dann mit seinem Sohn in sein Dorf zurück.

Hier bewunderten nun alle Frauen den Ankömmling wegen seiner Schönheit, so dass Nsambe sich schließlich sagte: »Wenn das so weitergeht, werden mich die Frauen bald gar nicht mehr beachten. Es ist besser, ich töte diesen Burschen.« Er ging zu seinen Leuten und befahl ihnen, sie sollten seinen Sohn nachts heimlich umbringen.

In der Nacht erschien denn auch ein Mann an Bebanges Tür und wollte ihn töten. Nun hatte aber Bebange, wenn er schlief, hinten am Kopf die Sonne und vorn den Mond. Als nun der Mann vor der Tür stand, sagte der Mond zu ihm: »Schlaf nicht, man will dich töten.« Da befahl Bebange seinem Haumesser: »Begib dich zu dem Mann, der vor der Tür steht, und töte ihn!« Da begab sich das Haumesser zu dem Mann und tötete ihn, kam dann zu Bebange zurück und meldete: »Ich habe den Mann getötet.« Der sagte: »Gut so.«

Am anderen Tag rief Nsambe seine Leute noch einmal zusammen und man fragte herum, ob nicht ein Mutiger da sei, der es noch einmal versuchen wolle. Wirklich stand auch einer auf und sagte: »Ich bin sehr stark und werde es schaffen, den Auftrag auszuführen.« In der nächsten Nacht schlich er sich vorsichtig an Bebanges Haus heran. Aber als er die Tür beiseite schieben wollte, sagte die Sonne zu Bebange: »Schlaf nicht, man will dich töten.« Da rief Bebange wieder das Haumesser, und es folgte auf seinen Befehl dem Mann an der Tür und tötete ihn. Dann kam es wieder zu Bebange zurück und meldete: »Der Mann ist tot.«

»Gut«, sprach Bebange.

Als nun am anderen Tag bekannt wurde, dass wieder ein Mann getötet worden war, wollte es niemand mehr wagen, den Sohn zu ermorden. Da sagte Nsambe: »Gut, wenn kein anderer den Mut hat, werde ich es selbst tun.« Nachts kam er. Aber als er durch das Dach brechen wollte, um Bebange zu töten, rief die Sonne wieder: »Du darfst nicht schlafen!« Und Bebange schickte sein Haumesser los, das verfolgte Nsambe bis hoch in die Lüfte Schließlich ließ sich Nsambe wieder herabfallen und versteckte sich in einer Copaifera, aber das Haumesser fand ihn doch und tötete ihn durch einen Zauber. Ein anderes Zauberwesen das sich auf solche Sachen verstand, setzte Nsambe wieder zusammen, flickte auch den Kopf an und sagte zu ihm: »Morgen musst du deinen Leuten sagen: ›Ich bin krank.‹ Und wenn sie dich fragen, warum und woher, so sagst du: ›Ich habe meinen Sohn töten wollen, aber er ist stärker gewesen als ich und hat mich getötet.‹«

Am anderen Tag sagte Nsambe: »Ich bin schwer krank.« Da fragten ihn die Leute: »Warum und woher?« Und Nsambe sprach: »Ja, ich habe meinen Sohn töten wollen, aber er war stärker als ich und hat mich getötet.« Kaum hatte er diese Worte gesprochen, da starb er wirklich.